Götterdialoge (alles nochmal gründlich durchdenken)

Thomas Lehmen

Unsinn, Nichts, Alles, Kunst, Liebe, Arbeit, Denken, finden ihre Formen in tänzerischen und sprachlichen Dialogen mit abwesenden Partnern. Im Reflexionsraum des Theaters, zwischen Handeln und Repräsentation verbleibt der Anwesende in den Übergangszonen, in denen sich vor allem lohnt zu tanzen, wenn die bekannten Methoden nicht mehr greifen.

Diesem neuen Solo Thomas Lehmens geht eine lange Auseinandersetzumg mit dem Werk Hannah Arends voraus. Vor allem in ihrem letztes Werk „Vom Leben des Geistes“ - Das Denken, Das Wollen und ihre Vorarbeiten zum geplanten dritten Teil Das Urteilen - verdeutlicht sie, dass allen geistigen Tätigkeiten ein künstlerischer Vorgang vorangestellt ist. Die Momente vor dem Erscheinen und vor dem Verschwinden beschreibt sie als eine poetische Poiesis, die in den unsicherem Übergangszonen der geistigen wie eben auch künstlerischen Tätigkeiten Orientierung zu geben vermag.

Ihrem „Denken ohne Geländer“ könnte man ein „Tanzen ohne Boden“ anfügen, für das eine tanztechnische Auseinandersetzung mit Gravitation, Effizienz und Artikulationen dem Körper die strukturelle Sicherheit ermöglicht, in den unendlichen Möglichkeiten künstlerischer Übergänge als Handelnder in Erscheinung treten zu können.

Mit oder ohne die Absicherung anderer Anwesenden oder Abwesenden ist das Ringen um die Freiheit ein Ringen um das eigene Denken und die eigene Kunst.

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